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WEITER.BILDUNG WEITER.DENKEN

Das Modellvorhaben „weiter.digital“ verfolgt neben der Entwicklung von passfähigen digitalen Lernwerkzeugen für die Weiterbildung von Mitarbeitenden in KMU auch das Ziel, den Einsatz von digital gestützten Lernformaten in der beruflichen Weiterbildung zu stärken und langfristig zu etablieren. Zu diesem Zweck hat der VSBI die Initiative WEITERBILDUNG WEITERDENKEN ins Leben gerufen, um das Thema im Kontext von Digitalisierung und Corona gemeinsam mit kompetenten Partnern fundiert und nachhaltig anzupacken. Es geht darum, aktuelle Qualifizierungsbedarfe in Betrieben zu ermitteln und passgenau innovative Lernformate zu entwickeln. Perspektivisch wird eine digitale Plattform angestrebt, um berufliche Weiterbildung kollaborativ zu gestalten. Hierbei bestehen große Synergiepotenziale – wie z.B. in Bezug auf die Erschließung von neuen Zielgruppen und die Bereitstellung von digitalen Lernmedien und Lernwerkzeugen.

Mit Unterstützung von Unternehmerverband Sachsen, VEMASinnovativ und dem Zukunftszentrum Sachsen werden virtuelle „Round Table berufliche Weiterbildung“ organisiert, um mit Geschäftsführenden und Personalverantwortlichen aus sächsischen Unternehmen aller Branchen ins Gespräch zu kommen. Diese können über aktuelle Bedarfe an betrieblicher Weiterbildung in ihren Unternehmen berichten und erhalten von der Regionaldirektion Sachsen aus erster Hand Informationen zu Fördermöglichkeiten für die Qualifizierung Beschäftigter als Alternative zur Kurzarbeit. Ein Input zum „Marktplatz der Bildung“ als Bautzner Prototyp für eine digitale Plattform zur Kollaboration in der beruflichen Weiterbildung rundet die Veranstaltung ab.

Visualisierung des Konzeptes für die Initiative WEITERBILDUNG WEITERDENKEN mit starken Partnern aus Sachsens Arbeitsmarkt und Arbeitsverwaltung

Am 23.02.2021 lud der VSBI im Rahmen seines Dresdner Regionaltreffens zur ersten Veranstaltung im neuen Online-Format interessierte Akteure an den runden Tisch. Im Dialog mit sächsischen Bildungsdienstleistern und vor allem vielen Vertreter*innen von Unternehmen aus ganz Sachsen wurde über die aktuellen Aufgaben und Anforderungen zum Thema der Weiterbildung von Beschäftigen in den Unternehmen diskutiert. Frau Dr. Schmidt von Intelligenz System Transfer Dresden lieferte einen wissenschaftlich fundierten Input zu den psychologischen Grundsätzen einer betrieblichen Bildungsbedarfsanalyse. Die teilweise über 50 Beteiligten der Veranstaltung zeigten sich sehr dankbar für den konstruktiven Gedankenaustausch, so dass eine Verstetigung mit Folgeveranstaltung geplant ist.

Innovativ gebildet durch digitales Lernen in der Aus- und Weiterbildung

Das VSBI-Mitglied TÜV Rheinland Akademie GmbH führt aktuell im Rahmen der Fachkräfteallianz im Landkreis Meißen ein Projekt durch, das digitales Lernen in der Aus- und Weiterbildung thematisiert und dabei insbesondere das verarbeitende Gewerbe und die Logistikbranche adressiert. In Workshops werden Personalverantwortliche für in diesem Kontext relevante Themen sensibilisiert und in einen Erfahrungsaustausch gebracht. Im Rahmen eines solchen Workshops am 02.03.2021 erhielt der VSBI die Einladung, das Projekt weiter.digital als richtungsweisendes Beispiel für die Entwicklung von innovativen Instrumenten zur Implementierung von digitalen Bildungsprozessen in Betrieben vorzustellen. Der Fokus lag dabei auf einer anschaulichen Demonstration der im Projekt erstellten Prototypen für bedarfsgerechte Lernwerkzeuge. Die teilnehmenden Vertreter*innen von Unternehmen interessierten sich besonders für die technischen Voraussetzungen und den Prozess des Kompetenztransfers zur eigenständigen Entwicklung bzw. Anpassung von Lerninhalten an die spezifischen Erfordernisse im eigenen Unternehmen.

Ziel des eingangs erwähnten Projektes ist die Entwicklung eines Handlungsleitfadens für Unternehmen der genannten Branchen, um den Verantwortlichen konkrete Lösungsansätze vorzustellen, wie sie ihre Aus- und Weiterbildung digitaler gestalten können. Dafür wird ausgehend von einer Ist-Analyse zur Bedarfserfassung zunächst eine Übersicht zur Nutzung digitaler Medien in Aus- und Weiterbildung erstellt. Projektmitarbeiterin Sarah Windisch stellte in diesem Sinne die Ergebnisse einer Online-Befragung von 13 Unternehmen aus den Bereichen Glasherstellung/-verarbeitung, Speditionen, Logistik und anderen Branchen vor und kommt zu dem Schluss, dass das Interesse am Thema Digitalisierung insgesamt sehr hoch sei, wofür neben Veränderungen des Arbeitsmarktes durch Digitalisierung auch die Folgen der COVID19-Pandemie ursächlich sein können.

Ein Großteil der Befragten nutze demnach bereits digitale Endgeräte, wobei klassische Endgeräte (wie Smartphones, Tablets und Laptops) stark verbreitet seien, neue und zum Teil kostenintensive Endgeräte (wie beispielsweise VR-Brillen oder interaktive Whiteboards) dagegen kaum. Das Vorhandensein sei zudem nicht die vordergründige Herausforderung, sondern vielmehr die sinnvolle Einbindung bzw. Anwendung in der Praxis. Erschwerend für den Einsatz digitaler Technologien in der Aus- und Weiterbildung seien demnach neben dem Zeitfaktor bei der Heranführung von Nutzer*innen auch Aspekte wie Datenschutz und IT-Sicherheit. Konkrete Vorteile für den Einsatz digitaler Medien sähen Firmen laut Befragung in der Förderung des selbständigen Lernens durch neue Wege der Wissensvermittlung sowie in der adäquaten Adressierung der Auszubildenden, die als „digital natives“ mit gewachsenen Ansprüchen in der digitalen Welt abgeholt werden müssten. Passend dazu referierte Senior-Prof. Dr. Hermann Körndle von der Professur für die Psychologie des Lehrens und Lernens an der TU Dresden über die kognitionspsychologischen Grundlagen und Parameter des selbstgesteuerten Lernens. Die relevanten Kompetenzen für selbstgesteuerte Lernphasen seien demnach neben Selbstregulation und Medienkompetenz auch soziale Kompetenzen. Aus- und Weiterzubildende benötigen diese Kompetenzen, um gezielt Medien auszusuchen, Inhalte auszuwählen und zu verstehen, deren Qualität zu prüfen und zu beurteilen sowie Medien für eigene Ziele sinnvoll einzusetzen und selbst zu gestalten. Damit bestätigt sich der innovative, multiplikative Ansatz im Projekt weiter.digital, der darauf abzielt, Bildungsanbietenden Wissen und Fertigkeiten zur eigenständigen Gestaltung von digitalen Lerninhalten und virtuellen Lernformaten zu vermitteln, um sie nachhaltig zu implementieren.

Interne Pilotierung des ersten Medienkompetenz-Trainings gestartet

Neben digitalen Lernwerkzeugen zur fachlichen Qualifizierung – wie etwa den von der AWV erstellten Quiz-Angeboten zu rechtlichen Aspekten in der Immobilienbranche – sollen im Projekt „weiter.digital“ auch Lerninhalte entstehen, die den Erwerb von Methoden- und Medienkompetenzen bei den Mitarbeitenden von Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fördern. Zu diesem Zwecke entwickelt das Medienzentrum der Technischen Universität Dresden im Projekt mehrere digitale Lerninhalte. Das erste zugehörige Micro-Training „Was ist Medienkompetenz?“ führt die Lernenden in spielerischer und praxisnaher Form grundlegend in diese Thematik ein.

Sein didaktisches Design folgt einer ‚klassischen‘ Struktur, die um adaptive Elemente ergänzt wurde. Sie beginnt mit einer alltagsnahen Hinführung und führt anschließend die zentralen Lernziele des Moduls auf. Die darauf folgenden Lerninhalte werden jedoch nicht – wie zumeist üblich – in vollständig linearer Form präsentiert, sondern beginnen mit einer Vorwissensüberprüfung. Hier können die Lernenden die Teilinhalte selbst ‚entdecken‘, indem sie über insgesamt vier mit Fragezeichnen gekennzeichnete Felder navigieren. Nach Auswahl eines Feldes werden sie gebeten, zunächst mit Hilfe einer Quizfrage zu überprüfen, inwieweit sie den zugehörigen Teilinhalt bereits beherrschen. Abhängig von der Korrektheit ihrer Antwort können oder müssen sie jeweils eine Erklärung dazu lesen oder dürfen direkt mit der nächsten Frage fortfahren. Auf diese Weise gelangen die Lernenden schneller zu den für sie relevanten Lerninhalten und sparen wertvolle Lernzeit. Nach einer abschließenden Zusammenfassung können sie ihre vorhandenen bzw. neu erworbenen Kenntnisse mit einem Quiz überprüfen, das sich aus fünf Wissens- und Verständnisfragen zusammensetzt. Abschließend erhalten Sie Hinweise dazu, wie Sie das Erlernte festigen und in ihrer beruflichen Praxis anwenden können. Abbildung 1 zeigt ausgewählte Bestandteile des didaktischen Designs.

Abbildung 1: Einführung, Vorwissensüberprüfung und Quizfrage zum Abschluss des Lernmoduls

Das Micro-Trainings wurde unter Verwendung des Autorenwerkzeugs Adobe Captivate erstellt. Eine Beta-Version des Moduls wurde bereits im Rahmen des World Usability Days 2020 erprobt. Im November des vergangenen Jahres wurde der Prototyp fertiggestellt. Er wird derzeit vom VSBI und den projektbeteiligten Bildungsanbietern getestet. Ihr Feedback fließt in die Optimierung des Moduls ein, das nach seiner Fertigstellung im in Kürze entstehenden Download-Bereich unserer Projektwebsite als Open Educational Resource frei zur Verfügung gestellt wird.

Digitalisierung der beruflichen Weiterbildung: Neue Lösungen, neue Herausforderungen

Die VSBI Regionalgruppe Leipzig hat am 02.12.2020 das erste virtuelle Regionaltreffen des Verbandes via Microsoft Teams durchgeführt und legte dabei passenderweise den Schwerpunkt auf das Thema Digitalisierung. Mit dabei waren über 10 Träger der beruflichen Weiterbildung, die im Kontext der weiterhin andauernden Einschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie mehr oder weniger intensiv auf digitale Lernplattformen und -werkzeuge umsteigen wollen und müssen.

Zum Einstieg ins Thema lieferte Jonathan Dyrna vom Medienzentrum der Technischen Universität Dresden einen Input zur laufenden Projektarbeit im Modellvorhaben „weiter.digital“ und stellte unter dem Titel „Weiterbildungsaktivität durch digitale Lernwerkzeuge nachhaltig erhöhen?“ dessen bisherige Ergebnisse vor. Neben der wissenschaftlichen Bedarfsanalyse in Form einer Befragung von sächsischen KMU stand dabei vor allem die praktische Gestaltung und Umsetzung des ersten Lernmoduls des Projektpartners future training GmbH im Fokus. Die Bildungsdienstleister begeisterten sich insbesondere für die vorgestellten Optionen zur Gestaltung von Lernmedien mit Hilfe verschiedener Autorenwerkzeuge, z.B. zur Erstellung von webbasierten Trainingseinheiten und zur Einbindung von Videos, Hotspots und interaktiven Elementen. Interessierte wurden in diesem Kontext dazu eingeladen, als Person oder Einrichtung an der Erprobung der im Projekt entwickelten Lernwerkzeuge teilzunehmen.

Im direkten Anschluss moderierte Klaus-Peter Krause von future training GmbH einen Erfahrungsaustausch rund um die Digitalisierung der beruflichen Weiterbildung. Dabei informierte er über Anforderungen an Lernwerkzeuge und deren Nutzer:innen und diskutierte mit den Teilnehmenden die besonderen Herausforderungen der mediendidaktischen Gestaltung und des methodischen Einsatzes solcher Tools. In der Diskussion wurde deutlich, dass deren technische Entwicklung, inhaltliche Pflege und pädagogische Anwendung seitens der involvierten Mitarbeiter:innen vollkommen neue Konzepte und Kompetenzen erfordert. Analog dazu müssen auch die Lernenden als Zielgruppen adäquat angesprochen und begleitet werden, damit die multimedialen Inhalte und hybriden Formate ihre Funktion bzw. Wirkung nicht verfehlen. Nach der bedarfsgerechten Entwicklung von innovativen Lernwerkzeugen, mit der sich die beteiligten Akteure in „weiter.digital“ intensiv beschäftigen,  liegt eine weitere große Herausforderung demnach in der didaktischen Implementierung der erstellten Trainings.

„Mach es einfach!“ weiter.digital beim World Usability Day 2020

Am 12. November 2020 wurde der World Usability Day (WUD) in Dresden vom Medienzentrum der TU Dresden als virtuelle Veranstaltung ausgerichtet. Im praktischen Hands-On-Bereich wurde das Projekte weiter.digital mit dem Thema Medienkompetenz in einem 20-minütigen Zeitfenster von der Projektmitarbeiterin Nicole Filz präsentiert. Es wurde ein inhaltlicher Überblick des Projektes gegeben, der Prototyp zum Thema Medienkompetenz vorgestellt und alle Teilnehmenden mit einer interaktiven Umfrage eingeladen, das Interaktionsdesign und damit die Navigationsführung des Templates zu bewerten. Dadurch sind neue Impulse für die weitere Entwicklung entstanden, die in der laufenden Projektarbeit direkt umgesetzt werden. Der World Usability Day wir federführend von der German UPA als Kooperationsveranstaltung deutschlandweit sowie in Österreich und der Schweiz jährlich am 2. Donnerstag im November organisiert. Unterschiedliche Standorte können bei diesem Event regionale Wirtschafts- und Wissenschaftsneuheiten mit unterschiedlichen Präsentations- und Interaktionsformaten rund um das Thema Usability vorstellen. Alle Informationen zum Programm, Vortragenden und auch über zukünftige Veranstaltungen finden sie online unter: https://tu-dresden.de/mz/ergebnisse-transfer/veranstaltungen/world-usability-day.

weiter.digital diskutiert Projektstand mit Weiterbildungspraktikern

Zum VSBI Regional-Treff Dresden am 27.10.2020 bei Donner+Kern gGmbH kamen die Mitglieder des Verbandes aus ganz Ostsachsen zusammen, um sich zum Themenkomplex Digitalisierung in der Weiterbildung zu informieren und auszutauschen. Dr. Jörg Neumann vom Medienzentrum der TU Dresden eröffnete die Veranstaltung mit seinem Impulsvortrag zu „Corona als Antrieb für die Digitalisierung in der Bildung“ ab und lud dazu ein, Bedeutung und Potenziale digitaler Lernwerkzeuge im Kontext der aktuellen Situation zu diskutieren.

Weiterbildung durch weiter.digital: Wissenschaft trifft Praxis

Im Anschluss präsentierten die Projektmitarbeiter*innen Jonathan Dyrna und Nicole Filz den aktuellen Stand und bisherige Ergebnisse bei der Realisierung von „weiter.digital“ und informierten zu Inhalten und Zielen des Projektes. Neben technischen Einblicken und didaktischen Konzepten wurden insbesondere auch praktische Anwendungsmöglichkeiten für interessierte Bildungsunternehmen erläutert. Dabei kamen u.a. auch Fragen zum Datenschutz und zu digitalen Kompetenzen allgemein sowie zu betrieblichen Lernumfeldern und benachteiligten Zielgruppen im Besonderen zur Sprache.

Der ehrliche und offene Austausch in einer konstruktiven Diskussion mit wohlwollender Atmosphäre war für alle Beteiligten ein informativer Hinzugewinn: die Projektmitarbeiter*innen konnten sich authentische Einblicke aus der realen Praxis beruflicher Weiterbildung verschaffen und wurden für deren besondere Bedingungen und Belange sensibilisiert, während die anwesenden Vertreter*innen der Bildungsdienstleister Informationen zu innovativen Lernmedien und Weiterbildungswerkzeugen aus erster Hand erhielten.

Die Einstellungen in den KKU stimmen – Präsentation auf der GeNeMe 2020

Unter dem Titel „Betriebliche Weiterbildung in sächsischen Klein- und Kleinstunternehmen – arbeitsplatzintegriert und digital gestützt?“ referierten die „weiter.digital“-Projektmitarbeiter:innen der Technischen Universität (TU) Dresden auf der Jahrestagung der „Gemeinschaften in Neuen Medien (GeNeMe*)“ am 08.10.2020 zum aktuellen Weiterbildungsverhalten in Kleinst- und Kleinunternehmen (KKU) im Bundesland Sachsen. Dabei präsentierten Jonathan Dyrna, Julia Zawidzki und Nicole Filz ausgewählte Ergebnisse der Ausgangsanalyse des Projekts. Sie basierten auf einer Befragung von insgesamt 33 sächsischen KKU.

Abb. 1: Jonathan Dyrna (TU Dresden) präsentiert ausgewählte empirische Projektergebnisse auf der GeNeMe 2020

Die durchgeführte Analyse zeigt, dass die KKU den Empfehlungen der Fachliteratur zunehmend folgen und für die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden neben den herkömmlichen Präsenzschulungen in etwa mittlerer Häufigkeit auch reine Online-Formate einsetzen (siehe Abb. 2). Blended-Learning-Formen kommen dagegen nur vereinzelt zum Einsatz. Das könnte damit zusammenhängen, dass diese Umsetzungsform, die sich in der Lernforschung als besonders effektiv erwiesen hat, einen verhältnismäßig hohen Gestaltungs- und Durchführungsaufwand erfordert. Die Weiterbildungsmaßnahmen finden nach wie vor häufiger außerhalb des Arbeitsplatzes als arbeitsplatzintegriert statt, wobei die letztgenannte Form inzwischen bereits durchschnittlich häufig eingesetzt wird.

Abb. 2: Häufigkeit der Umsetzung und Beurteilung verschiedener Weiterbildungsformen in den befragten KKU

Interessant ist hierbei, dass die befragten Akteure allen untersuchten Weiterbildungsformen – mit geringfügigen Abstrichen beim Blended Learning – sehr positiv gegenüberstehen. Dabei unterscheiden sich die Führungskräfte in ihren Einstellungen nicht (nennenswert) von den Mitarbeitenden, die keine Führungstätigkeit ausüben. Die Ergebnisse zeigen, dass mit der Bereitschaft der beteiligten Akteure eine wesentliche Voraussetzung für den Einsatz von digital gestützten und arbeitsplatzintegrierten Weiterbildungsformaten gegeben ist. Sie bilden eine fruchtbare Basis für die arbeitsplatzintegrierte Erprobung der digitalen Lernwerkzeuge, die derzeit im Projekt „weiter.digital“ entwickelt werden, in den KKU.

*Die GeNeMe ist eine jährlich stattfindende Tagung, die Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen aus verschiedensten Fachrichtungen – wie beispielsweise der Informatik, der Bildungs- und Informationswissenschaft sowie der Wirtschaftswissenschaft – zu interdisziplinären Dialog einlädt. Sie können den zugehörigen Tagungsband mit dem Titel „Communities in New Media. From hybrid realities to hybrid communities“ hier kostenlos herunterladen.

Potenziale der Digitalisierung im Bildungsbereich nutzen!

Der 8. nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2020“ konzentriert sich in seinem Schwerpunktkapitel auf die Bildung in einer digitalisierten Welt und unterstreicht die Potenziale der Digitalisierung, welche insbesondere durch die Corona-Pandemie als Chancen hervortreten. Er verweist aber zugleich auch auf bestehende Probleme bzw. Herausforderungen: eine zeitgemäße technische Ausstattung der Bildungseinrichtungen und Bedarf adäquater Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte.

Professor Dr. Kai Maaz konstatiert als Direktor des DIPF und Sprecher der Autorengruppe des nationalen Bildungsberichts, dass die Digitalisierung auch im Bildungswesen kontinuierlich an Dynamik gewinne und Bildungseinrichtungen stärker denn je gefordert seien, digitale Kompetenzen zu vermitteln, da immer mehr Lehrende und Lernende die flexiblen Einsatzmöglichkeiten der digitalen Medien nutzen. Demgegenüber fehle es bislang allerdings an einer überzeugenden und abgestimmten Strategie für die Bildung in einer digitalisierten Welt, bilanziert der Bildungsforscher.

Die Bestandsaufnahme des Bildungsberichts zielt neben der akuten Problematik, den Zugang zu Bildung im Zuge der Corona-Pandemie aufrechtzuerhalten, insbesondere auf die folgenden drei zentralen Herausforderungen für Bildung in einer digitalisierten Welt: Erreichbarkeit, Chancengerechtigkeit und Vergleichbarkeit.

Erreichbarkeit

Der permanente Wandel der technischen Rahmenbedingungen bringt neue Anforderungen und neue Möglichkeiten mit sich und erfordert damit stetige Veränderungen seitens der Bildungsinstitutionen. Beispielsweise ist die Digitalisierung der Infrastruktur zwar notwendig, aber nicht hinreichend. Vielmehr braucht es Konzepte, um digitale Technologien entlang der Bildungsprozesse didaktisch sinnvoll einzusetzen. Das pädagogische Personal muss zudem zukunftsorientiert ausgebildet und kontinuierlich weitergebildet werden. Die Mitarbeiter*innen benötigen gezielte Qualifizierung und Unterstützung, um Hemmnisse beim Einsatz digitaler Medien in der Lehre zu überwinden.

Chancengerechtigkeit

Nicht alle Menschen können die Vorteile digitaler Technologien in gleichem Maße nutzen, da bereits der Zugang zu den entsprechenden Medien von der sozialen Herkunft abhängig ist, ebenso wie die Bereitschaft und Fähigkeit zum Erwerb von digitalen Kompetenzen. So zeigt sich z.B. in der arbeitsorientierten Grundbildung, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten beim digitalen Lernen doppelt abgehängt werden, da neben den Kulturtechniken Lesen und Schreiben auch noch die Fertigkeiten zur Nutzung digitaler Formate gelernt werden müssen.

Vergleichbarkeit

Während Digitalisierung im alltäglichen privaten Umfeld immer selbstverständlicher wird, gibt es große Unterschiede zwischen den Bildungsbereichen und -einrichtungen. Da die digitale Technik z.B. noch nicht systematisch in die Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals integriert wird, unterscheidet sich deren Verbreitung zudem stark in den jeweiligen Bundesländern. Zugleich eröffnet die Digitalisierung aber auch eine kontinuierliche und standardisierte Leistungsdiagnostik und schafft damit neue Möglichkeiten einer überregionalen Vergleichbarkeit von Lernergebnissen und übergreifender Trends im Bildungswesen.

Während also weiterhin Bedarf besteht, auf Bundesebene den Einsatz digitaler Medien in den Bildungsinstitutionen und -kontexten anwendungsorientiert und strukturiert zu erforschen, werden in Sachsen durch das Modellprojekt weiter.digital zunehmend Ergebnisse in die pädagogische Praxis überführt: Zum Sommerfest der sächsischen Wirtschaft am 03.09.2020 war der VSBI vor Ort, um mit regionalen Unternehmen zu Bedarfen und Perspektiven beruflicher Weiterbildung ins Gespräch zu kommen. Auf Einladung von VEMASinnovativ, RKW Sachsen und Industrieverein Sachsen 1828 e.V. trafen sich Entscheider*innen aus sächsischen Unternehmen, um sich in entspannter Atmosphäre bei interessanten Inputs Anregungen für die Gestaltung der Zukunft der Arbeit zu holen. Ausgehend von historischen Einblicken in 500 Jahre Industriekultur in Sachsen im Rahmen der aktuellen Ausstellung BOOM wurde spätestens beim Ausprobieren von VR-Brillen in virtuellen Produktionsprozessen klar, dass Wirtschaft 4.0 auch Weiterbildung 4.0 benötigt! Das Pilotprojekt weiter.digital liegt mit der Entwicklung von bedarfsgerechten Lernwerkzeugen für berufliche Qualifizierungen in Unternehmen folglich am Puls der Zeit und geht mit innovativen Schritten weiter digital voran!

Wissen wollen: Projektpartner AWV geht mit Quiz in die praktische Erprobung

Das Projekt weiter.digital geht erste Schritte Richtung Praxis und Anwendung. Bereits zu Projektbeginn zeigte sich bei der Eruierung des Weiterbildungsbedarfes der Mitarbeiter*innen in KMU durch eine Befragung zu individuellen Interessen, dass in der Immobilienbranche ein Schwerpunkt vor allem auf rechtlichen Fragen bzw. Neuerungen der Gesetzeslage liegt. Tagesseminare zu Themen wie Wohneigentumsrecht oder Wohn- und Gewerberaummietrecht hatte der Projektpartner Akademie für Wirtschaft und Verwaltung GmbH (AWV) für Juni 2020 geplant und konnte sie glücklicherweise trotz Corona auch als Präsenzveranstaltung durchführen – natürlich unter den erschwerten Bedingungen der geltenden Hygieneauflagen.

Lernende testen bei der AWV ein neues Lern-Tool – und stellen nebenbei ihr Wissen auf den Prüfstand

In diesem Kontext startete die AWV als erster Projektpartner mit dem Testlauf des unter fachlicher Begleitung des Medienzentrums der TU Dresden entwickelten mediendidaktischen Konzepts und erprobte gleichzeitig zum ersten Mal überhaupt ein digitales Lernwerkzeug – in diesem Fall ein thematisches Quiz. Der Referent hatte bereits im Vorfeld Wissensfragen beigesteuert und mit Unterstützung der TU Dresden wurde für jede Veranstaltung eine kurze Befragung zur grundsätzlichen Weiterbildungsmotivation, ein Einstiegsquiz als Wissenstest sowie eine Nachbefragung zu den Erfahrungen mit dem Quiz auf der hauseigenen ILIAS-Lernplattform eingestellt. Das Kernstück bildet dabei das Quiz, bei dem die Seminarteilnehmer*innen vorab ihr Wissen testen können. Damit sind sie innerlich auf das Thema eingestellt und erkennen gegebenenfalls eigenständig Wissenslücken und Weiterbildungsbedarfe. Durch diesen Impuls können die Teilnehmenden im Vorfeld schon Fragen generieren, die dann in der Präsenzveranstaltung effektiver bearbeitet werden können. Der Dozent hat zudem die Möglichkeit, die vorhandenen Kenntnisse der Teilnehmenden einzuschätzen und seine Vorbereitung entsprechend anzupassen. Für alle Beteiligten ergeben sich durch die digitale Verknüpfung von Lerninhalten und Mediendidaktik klare Vorteile in puncto individuelles und kollektives Wissensmanagement. Das Quiz wurde darüber hinaus so gut angenommen, dass sogar zahlreiche Nicht-Seminarteilnehmer*innen freiwillig die Fragen bearbeiteten, wenn sie im öffentlichen Bereich der Lernplattform mit offenen Augen und Neugier unterwegs waren und auf den Link stießen.

Dank einer praxisorientierten Schnellschulung durch die Projektmitarbeiter*innen der TU Dresden sind die Lehrenden der AWV zudem mittlerweile sogar in der Lage, selbständig neue Quizfragen zu generieren und auf der Lernplattform einzustellen. Wissenstransfer findet somit bei weiter.digital in jeder Dimension statt, so dass man tatsächlich nicht nur von einer win-win-win-Situation sondern vor allem auch von einem learn-learn-learn-Prozess sprechen kann.

weiter.digital geht trotz Corona weiter: digital!

Maskenpflicht, Abstandsregelung, Dienstreiseverbot, Kontakt-Tabu, Ausgangssperre, Untersagung von Publikumsverkehr, Kitaschließung – die Maßnahmen laut Allgemeinverfügung vom 18. März 2020 im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie haben den Regelbetrieb aller Projektpartner stark eingeschränkt und das Arbeitsleben der beteiligten Mitarbeiter*innen erheblich beeinflusst, u.a. durch Kurzarbeit, Homeoffice nebst Kinderbetreuung und anderen Auswirkungen. Viele Betroffene haben diese Krise aber auch produktiv und konstruktiv genutzt, um sich konsequent mit den Optionen digitaler Kommunikationsmedien und Arbeitswelten auseinanderzusetzen. Bildungsträger erproben digitale Lernplattformen, Projektpartner organisieren ihre Meetings über virtuelle Konferenz- bzw. Kollaborationssoftware, Büroarbeit läuft von zu Hause über VPN-Tunnel oder Cloudlösungen, Informationen werden über social media und messenger Dienste geteilt und Arbeitsergebnisse über Homepages und cloud-Dienste bereitgestellt. Alle Beteiligten müssen sich dafür teilweise mit neu angeschaffter Hardware, wie z.B. WebCams oder digitalen Whiteboards befassen oder sich in bisher ungenutzte Software einarbeiten.

weiter:digital
weiter.digital ist digital

Das Projekt weiter.digital hingegen konnte bereits auf Erfahrungen und etablierte Formate in der virtuellen Zusammenarbeit zurückgreifen. Eine besondere Herausforderung ist lediglich, dass die unterschiedlichen Projektpartner jeweils in ihren Häusern bereits institutionelle Lösungen installiert haben, sich also bereits auf verschiedene Plattformen, Tools, Apps und Kommunikationskanäle festgelegt haben. Für die Kooperation im Rahmen von weiter.digital ist also entscheidend, technologieunabhängig zu arbeiten und praktikable Kompromisse zu finden: die Statustreffen laufen über Skype, das Protokoll wird auf den Cloud-Server der TU Dresden gestellt, der Prototyp wird mit Adobe Captivate produziert und auf Plattformen wie z.B. ILIAS bereitgestellt. Aktuell wird über ein geeignetes Annotations-Tool für multilaterales Feedback zu Funktionalität und Usability im Sinne eines User Reviews diskutiert. Das Projekt weiter.digital beweist seine Innovationskraft und Transferfähigkeit also nicht nur in Bezug auf den in Arbeit befindlichen Prototypen eines Lern-Medien-Formats für KMU, sondern auch in der täglichen Zusammenarbeit unter erschwerten Bedingungen durch Corona. Dennoch freuen sich die im Projekt beteiligten Menschen auf ein analoges Wiedersehen in der realen Welt mit Echtzeitübertragung in 3D ohne Bildstörungen, akustische Interferenzen und Kompatibilitätsprobleme.

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